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Friday, 22 September 2017
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Nocte Obducta - Paroles


Taverne (In Schatten Schäbiger Spelunken) (2000) - Album




Hexer (verflucht)


 
Die dunstschwadenschwangeren, nebelverhangenen

Landen Lethes lagen längst hinter uns

Und wir hörten sein tröstendes Rauschen nicht mehr

Nachdem abermals die Nicht herabgesunken

Hatten wir die Fluten des Vergessens verlassen

Doch Vergessen hatten sie uns nicht gebracht

Und die Erinnerung an Herbststürme lastete immer noch schwer



... und so kamen wir von den entlegensten Gefilden

Gottlos, weil keinen Gott braucht, wer erschafft und in den

Künsten wirkt

Es steht geschrieben, daß wir aus der Wiege stehlen

Doch wer stiehlt schon eine Totgeburt, wenn er die Kraft des

Schöpfers birgt ...

Gib uns die Kraft der schwarzen Muse, gottverreckte Finsternis

Wir sind verflucht, doch kriechen niemals auf den Knien

Sie bedenken uns mit Blicken, die nur sehen, was sie sehen wollen

Möge Lethe sie ersäufen und dann sei ihnen verziehen



Wir wühlen ungefragt

In fremder Damen frisch bezogenen Himmelbetten

Tränken die Seidenkissen

Im roten Wein ihrer Verehrer

Wir sind die Traumverheerer

Dem süßen Schlaf der Unschuld leis' ins Ohr gewispert

Einen Traum, der das Erwachen auch nicht süßer macht

Wir zerstäuben ihr Parfum wie Nieselregen in die kranke Nacht

Schaben mit den Scherben ihrer Duftwasserflacons

Die Gemälde ihrer Ahnen

Aus den reich verzierten Rahmen

Wo wir nun selber prangen...

... grausam und erhaben



Ein selbsternannter Totengräber stolperte ins offene Grab

Und seine falsche Zunge schmeckte Erdenreich und Maden

Von Früchten schwer am Grabesrand ein Apfelbaum mehr hing als

stand

Ein schwarz verfaulter Apfel fiel zum Liegenden im Grabe

Als mit gebrochenen Gliedern er hinauf zum düstren Himmel sah

Ward er gewahr, daß wir dort standen, lächelnd voller

Güte

In die Ruhestätte rieselte die Erde unter unseren Stiefeln

Wir winkten höflich noch einmal und zogen unsere Hüte



Trotzend jedem Grab, das man uns macher Orts bereitet

Zogen wir auf Pfaden, die der Pöbel nicht beschreitet

Sechs Hexer im Nebel

Günstlinge der schwarzen Muse

Verflucht



Unbehelligt durchwanderten wir

Die von Narren gemiedenen, gefürchteten Wälder

Nachdem das Gestirn des Tages blind

Hinter die Berge getaumelt und erloschen war

Und uns schien, daß die Sterne um ihr Augenlicht weinten

Ein süßes Wehklagen erfüllte die Nacht

Weil nur der Mond durch die Nebel zu blicken vermochte

Und alleinig die Rückkehr der Verfluchten sah

Als wir aus dem Schwarz der dichten Baumreihen traten

Und wie regungslos durch den Nebel trieben

Wie sechs schwarze Segel auf nächtlicher See

Den Unwettern trotzend von langer Reise benommen

Wir erreichten die Klippen, Standbilder am Abgrund

Tief unter uns das tosende Meer

Und die Wolken rissen auf bis zum Horizont

Und das Nachtfirmament hieß uns prachtvoll doch schweigend

willkommen ...





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